OÖ-ÖVP-Antwort + Gegenargumente

Sehr geehrter Herr Klubobmann Dr. Dörfel!
Sehr geehrter Herr Klubdirektor Ing. Mitterhauser!
Sehr geehrte Damen und Herren des OÖVP-Landtagsklub!

Im Anhang senden wir Ihnen unsere Argumente (in blauer Schrift eingefügt) zu Ihrer Mail vom 14.12.2020.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Österreichischen Staffordshire Bullterrier Club
 


Betreff: AW: Stellungnahme des ÖSBC zu Oö Hundehaltegesetz-Novelle 2021
Datum: Mon, 14 Dec 2020 09:03:28 +0000
Von: Oevp.Klub@ooe.gv.at
An: oesbc.office@aon.at


Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrter Herr Klubdirektor Ing. Mitterhauser!

im Namen des Klubobmannes Christian Dörfel und für den OÖVP-Landtagsklub bedanke ich mich für Ihr Schreiben!

Grundsätzlich ist es höchst erfreulich, dass die Hundeattacken in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind und das mitunter am verantwortungsbewussteren Umgang der meisten Hundehalter, aber auch an den gesetzlichen Vorgaben der Hundehaltung liegt. Laut Statistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit werden dennoch rund 3.500 Menschen pro Jahr von Hunden so stark attackiert, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Da Novelle 2021 für Oö eingeführt werden soll, darf ausnahmslos die Bissstatistik für Oö herangezogen werden und nicht die Zahlen der bundesweiten Statistik. Im Jahr 2019 wurden in Oö 235 Hundebisse zur Anzeige gebracht!!!

Es ist auch festzustellen, dass diese Hundeattacken meist von nur wenigen Hunderassen ausgehen. Erst im August wurde wieder ein Kind von einem Rottweiler angefallen und mehrfach gebissen.

Warum werden immer nur Vorfälle von bestimmten Rassen als Fallbeispiel genommen. Es passieren immer wieder, leider nur zu häufig, Hundeattacken quer durch alle Rassen oder mit Mischlingen. In der Oö Hundebissstatistik ist die Aufschlüsselung der Hunderassen in einer Form zusammengefasst, nehmen wir z.B. Terrier/Mischlinge, dass eine Zuordnung zu den einzelnen Rassen gar nicht möglich ist. Es gibt immerhin 34 von der FCI anerkannte Terrierrassen!!!

Wir haben uns lange und in vielen Gesprächen mit Experten damit auseinandergesetzt, wie wir in Oberösterreich sicherstellen können, dass lebensbedrohliche Hundeattacken bereits präventiv verhindert werden können.

Ja, diese Expertenrunden haben stattgefunden, es haben sich auch alle kynologischen Experten GEGEN die Einführung einer Rasseliste ausgesprochen. Warum werden Expertenmeinungen und Studien nicht berücksichtigt?

Eine Möglichkeit wäre, dass alle Hundehalter eine erweiterte Ausbildung zu absolvieren haben.

Das wäre zum Beispiel ein guter Ansatz. Hundehalter, die eine umfangreiche Sachkunde haben, können sehr gut einschätzen, wie ihr Hund in bestimmten Situationen reagieren wird, dementsprechend auf ihn einwirken und so führen und halten, dass keine Gefahr für Mensch und Tier besteht. Ein gut erzogener Hund trägt ebenfalls zu mehr Sicherheit bei. Wenn man auf Gefahrenprävention Wert legt, sollte man diesen Weg gehen.

Was aber auf gar keinen Fall unser Ziel ist, dass aufgrund einzelner sehr tragischer Vorfälle alle Hundehalter zur Verantwortung gezogen werden.

Das ist auch in unserem Sinne. Dann ist aber die geplante Rasseliste der falsche Weg, das zu erreichen. Nach dem Unfall 2019 wo der Pitbullterrier das Kind verletzt hat - ein tragischer Einzelfall, durch Fahrlässigkeit des Halters verursacht - wurde sofort medial eine Verschärfung für "bestimmte Rassen" angekündigt. WARUM Verschärfungen für MEHRERE RASSEN? Es handelt sich um einen EINZELFALL MIT DIESEM HUND und ALLEIN DER HALTER DIESES HUNDES hat den Unfall verschuldet und hat deswegen auch ALLEIN die Konsequenzen dafür zu tragen!!! Warum sollen dann unschuldige Halter von unauffälligen Hunden für diesen EINEN Unfall in SIPPENHAFTUNG genommen werden? Genau das macht eine Rasseliste!!!

Wer eine Gefahrenquelle schafft, und das ist beim Halten eines Hundes ganz klar der Fall, ist dazu verpflichtet diese Gefahren tunlichst abzuwehren.

Von Hunden geht nicht nur Gefahr aus, sie verursachen der Gesellschaft nicht nur Kosten, der Nutzen durch Hunde wiegt letzere bei Weitem auf. So zeigten eine Anzahl von Untersuchungen, dass Kinder in Gesellschaft eines Hundes, zu sozial kompetenteren Erwachsenen werden als Menschen, die das Pech hatten, die Kindheit ohne Hund verbringen zu müssen. Ebenso ist ihre Bedeutung für Behinderte und alte Menschen, als Blindenhunde, Therapiehunde, im Einsatz für die Exekutive, Landesverteidigung, Bergrettung, Trümmersuchhunde bei Erdbeben und Lawinensuchhunde, etc., erwähnenswert.

Dazu gehört unserer Ansicht vor allem auch eine umfangreiche Ausbildung, um bereits präventiv Gefahrensituationen zu vermeiden.

Da ist OÖ mit dem derzeitigen Hundehaltegesetz, welches auf Sachkunde & Erziehung abzielt, ja ohnehin seit Jahren auf einem sehr guten Weg. Durch die Hundebissstatistik wird der kontinuierliche jährliche Rückgang von Unfällen bei ständig steigender Hundepopulation mehr als deutlich. 2006 waren 379 Unfälle bei 54.111 gemeldeten Hunden, 2019 wurden bei 78.378 gemeldeten Hunden 235 Vorfälle angezeigt.

So ist jeder Person, die eine in der Hundeliste angeführte Rasse halten will, durchaus zumutbar einen erweiterten Ausbildungskurs zu absolvieren.

Mit welcher Begründung eine Rasseliste? wenn namhafte Experten und zahlreiche wissenschaftliche Studien seit Jahrzehnten aussagen, dass es sich bei Unfällen mit Hunden IMMER um einzelne Hundeindividuen handelt, die gefährlich sind, aber Gefährlichkeit NIEMALS an der gesamten Hunderasse festgemacht werden darf!!!
Nach welchen Kriterien und Richtlinien werden die Rassen, die gelistet werden sollen, eigentlich ausgewählt? Als Grundlage dient dabei die OÖ Hundebissstatistik wohl nicht, denn die vermutlich angedachten "bestimmten Hunderassen" sind darin kaum präsent.
Vermutlich ist beabsichtigt, dass der Stand der Wissenschaft, alle Expertenmeinungen und die OÖ-Bissstatistik ignoriert werden sollen, und einige Hunderassen aus reiner Willkür auf eine Liste gesetzt werden.
Mit welcher Begründung eine Ungleichstellung einer Gruppe von verantwortungsbewussten Hundehaltern und unauffälligen Hunden gegenüber allen anderen verantwortungsbewussten Hundehaltern und unauffälligen Hunden? durch eine geplante Rasseliste und damit verbundene ungerechtfertigte, tierschutzwidrige Verschärfungen für diese Minderheit!!!

Die vorliegende Gesetzesnovelle ist somit eine brauchbare Grundlage, um die Sicherheit zu verbessern und gleichzeitig keinem Oberösterreicher das Halten eines Hundes zu verbieten.

Leider ist die vorliegende Novelle 2021 die denkbar schlechteste Grundlage um für mehr Sicherheit zu sorgen. Eine Rasseliste gekoppelt mit permanenten Leinen- und Maulkorbzwang wird mit Sicherheit in Zukunft mehr Probleme schaffen als sie zu lösen. Sowohl in der Gesellschaft als auch bei den Hunden, bei denen durch diese gesetzlichen Regelungen eine adäquate und tierschutzkonforme Haltung nicht mehr möglich ist, wird es vermehrt zu Konflikten kommen.
In bestimmten Fällen, wie Tierquälerei oder wenn es des Öfteren zu Auffälligkeiten eines Hundehalters und seines Hundes kommt, sollte die Behörde rechtzeitig einschreiten und auch einem Oberösterreicher der Hund abgenommen und im Bedarfsfall ein Tierhalteverbot gegen ihn verhängt werden.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Ihnen für Ihre Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Die Begutachtungsfrist läuft noch bis 30. Dezember 2020, danach werden die eingelangten Stellungnahmen im parlamentarischen Prozess diskutiert und wenn möglich eingearbeitet.

Unter https://www.land-oberoesterreich.gv.at/35987.htm werden Sie nach offener Frist über den aktuellen Stand des parlamentarischen Prozess am Laufenden gehalten.

Ich verbleibe mit

Freundlichen Grüßen
Ing. Klaus Mitterhauser
Klubdirektor

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Österr. Staffordshire Bullterrier Clubs