Offener Brief an die Abgeordneten des Niederösterreichischen Landtages!

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des NÖ Landtages!

Der Österreichische Staffordshire Bullterrier Club hat vor einiger Zeit seine Bedenken zur Änderung des NÖ-Hundehaltegesetzes geäussert, aber bis dato leider keine Antwort bekommen.

Nach Inkrafttreten der 12. Novelle des Wiener Tierhaltegesetzes soll es nun auch in NÖ zu Verschärfungen kommen. "Die Zahl der gemeldeten Bisse in NÖ 2019 stieg im Vergleich zum Vorjahr abermals" gilt für Sie als Rechtfertigung, dass diese Massnahmen notwendig seien. Auf Nachfrage erhält man aber die Auskunft, dass weder in der Fachabteilung der NÖ-Landesregierung oder bei der Polizei Statistiken über Beissvorfälle geführt werden. Auch bei anderen Stellen gibt es keine Fakten, die auf eine Zunahme von Hundebissen hindeutet. Man kann keine Statistik finden, die dies belegt, dafür kann man aber allgemeinen Meldungen entnehmen, dass gerade in NÖ die Unfälle mit Hunden rückläufig sind.

Herr Landesrat Waldhäusl hat am 24.10.2018 zu einem Hundesicherheitsgipfel eingeladen, bei dem sich er selbst und die überwiegende Mehrheit der Experten für die Abschaffung der bestehenden Rasseliste im NÖ Hundehaltegesetz aussprachen.

Das damals angedachte OÖ Modell wäre zu begrüssen, zumal die Regelungen "allgemeiner Sachkundenachweis für jeden Hundehalter" sowie der "erweiterte Sachkundenachweis bei auffälligen Hunden" und die Maulkorb- und Leinenpflicht an stark frequentierten Orten für alle Hunde, dem Ziel, Unfälle mit Hunden zu reduzieren, sehr nahe kommen würden. In OÖ ist die Hundepopulation in den letzten 10 Jahren von 56.850 auf 74.446 angestiegen. Die Anzahl der Bissverletzungen ist von 322 auf 206 gesunken. OÖ ist demzufolge lt. Statistik sehr erfolgreich und kommt ohne Rasseliste aus.

Auch in Ländern wie Steiermark, Tirol, Schleswig-Holstein, Thüringen, Niedersachsen, Holland, etc... wurden die Rasselisten wieder abgeschafft. Dies hat sich positiv ausgewirkt und zu einem friedlichen Zusammenleben zwischen Nichthundehaltern und Hundehaltern geführt.

Lt. kynologischen Experten ist keine wissenschaftlich korrekt durchgeführte Studie bekannt, welche nachweist, dass Hunde der gelisteten Rassen ein höheres Gefährdungspotential aufweisen als Hunde mit vergleichbarer Größe und Statur von nichtgenannten Rassen oder Mischlingen. Nun wird auf Grund einer, von Frau Ex-BM Dr. Hartinger-Klein in Auftrag gegebenen, Studie der Verterinärmedizinischen Universität Wien durch eine weitere wissenschaftliche Arbeit von rennomierten Experten, die dieser Universität angehören, noch einmal untermauert, dass eine erhöhte Gefährlichkeit von Hunden allein auf Grund ihrer Rassezugehörigkeit, nicht gegeben ist.

Auch bei dem am 3. Mai 2019 von Ex-BM Dr. Hartinger-Klein einberufenen Runden Tisch zur Präsentation der Ergebnisse der Studie, sprachen sich Experten und Landestierschutzräte, mit Ausnahme von Stadträtin Mag. Ulrike Sima, gegen eine rassespezifische Hundehaltegesetzgebung aus.

https://oekv.at/media/upload/editor/files/ÖKV/News/Beilage__Endbericht-Sicherheitspolizeiliche_Hundegesetzgebung_-_08.03.2019.pdf?fbclid=IwAR39H2yVp2yj2j2leU5-nNlnEwbTrFwmLfmQtiXVdp0OJTIchZh9GRgr27k

https://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/news/detail/artikel/2019/05/16/hundegesetzgebung/?fbclid=IwAR2hymRG5PmxvptSs2NjzOw5nI8EhdMrD3I4HcrdzyDdXbRiK1FTsqhrw2I

Wenn es lt. Wissenschaft keine Rassen gibt, die eine höhere Gefährlichkeit aufweisen, werden durch die willkürliche Auflistung einiger Hunderassen, unauffällige Hunde und deren verantwortungsbewusste Halter, gegenüber allen anderen unauffälligen Hunden anderer Hunderassen und Mischlingen und deren verantwortungsvollen Halter, diskriminiert. Das trägt sicherlich nicht zu einem friedlichen Miteinander in der Gesellschaft bei.

Wir fragen uns allen Ernstes, wieviele Studien und Expertenmeinungen braucht man eigentlich noch, um endlich zu erkennen, dass eine rassespezifische Gesetzgebung nicht den geringsten Erfolg im Sinne der Reduzierung von Beißvorfällen bringen kann. Es ist traurige Tatsache, und Wien zeigt es mehr als deutlich, dass trotz Rasseliste und zahlreicher Novellierungen des Gesetzes, bisher kein einziger Beißunfall verhindert werden konnte.

Es ist Aufgabe der NÖ Landesregierung, bei einer Änderung des NÖ-Hundehaltegesetzes dem NÖ Landtag einen Entwurf vorzulegen, der darauf abzielt, ein sinnvolles Gesetz, das auf Gefahrenabwendung von auffälligen Haltern und auffälligen Hunden (egal welche Rasse oder Mischling) ausgerichtet ist, und durch Aufklärung, Prävention und Ausbildung eine Situation in NÖ zu schaffen, wo gesetzestreue Hundehalter und ihre unauffälligen Hunde, auch wenn es sich dabei um Hunde bestimmter Rassen handelt, mit allen Anderen, die sich ebenfalls der Verantwortung in Punkto Hundehaltung bewusst sind, gleich behandelt werden.

Wenn man auf Erziehung und situative Absicherung des Hundes setzt, ist man mit Sicherheit erfolgreicher als wenn man auf Rasselisten und Hilfsmittel vertraut.

Die Mitglieder des ÖSBC sind verantwortungsvolle Personen und Familien, oft mit Kleinkindern, und bevorzugen einen Hund der freundlich gegenüber Menschen und ganz speziell gegenüber Kindern ist. Sie haben diese Rasse gerade wegen dieser Wesensmerkmale für sich gewählt. Für diese Menschen sind die kleinen Staffordshire Bullterrier (35,6 - 40,6 cm Schulterhöhe) ganz einfach Familienmitglieder und mit Sicherheit kein Statussymbol.

Die Halter von Staffordshire Bullterriern sind im gleichen Masse verantwortungsvolle, gesetzestreue Bürger, und haben, genau wie die Mehrheit der Halter von anderen Hunderassen oder Mischlingen, größtes Interesse daran, Konflikte in der Gesellschaft, egal welcher Art, zu vermeiden. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit ihre Hunde so zu führen, dass keine Belästigung oder Gefährdung von ihnen ausgeht.

Dem ÖSBC ist kein einziger Unfall mit der Rasse Staffordshire Bullterrier in Österreich bekannt!!!

Man sollte in NÖ bedächtiger vorgehen, als es die Landesregierung in Wien getan hat. Die Beibehaltung der Rasseliste, gekoppelt mit der 12. Novelle des Wiener Tierhaltegesetzes, hat ein enormes Ausmass an tierschutzwidriger Hundehaltung, Hass in der Bevölkerung gegen Hundehalter und ihre Hunde, und viel Leid über verantwortungsvolle Hundehalter und ihre nicht auffälligen Hunde gebracht. Dieser Fehler sollte in NÖ nicht wiederholt werden.

Vielleicht könnte die Sinnhaftigkeit der Rasseliste nochmal überdacht werden, bevor die Änderungen für NÖ im Landtag eingebracht werden.

Für eine Mitarbeit stehen wir jederzeit gerne zu Ihrer Verfügung

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Österreichischen Staffordshire Bullterrier Club

 

(Der Brief ging per mail an alle Abgeordneten des Niederösterreichischen Landtages)