Offener Brief an Frau Stadträtin Ulli Sima!

Sehr geehrte Frau Stadträtin Sima!

Wir bedauern den Vorfall in Wien, wo ein Kind auf tragische Weise, durch das Fehlverhalten einer alkoholisierten Hundehalterin, durch einen Rottweiler zu Tode gekommen ist.

Ebenso tragisch ist der Unfall bei einem Heurigen in Niederösterreich, wo ein Kleinkind von einem Dackel gebissen, und mit schweren Bissverletzungen im Gesicht, ins Spital eingeliefert wurde.

Im August 2018 wurde in Melbourne ein 14 Monate altes Mädchen von einem Jagdhund (Deutsch Drahthaar) durch mehrere Bisse am Kopf tödlich verletzt. Der Unfall passierte im familiären Umfeld.

Jeder Hundebiss ist einer zu viel - egal von welchem Hund!

Durch die geplante Novelle des Wiener Tierhaltegesetzes soll einiges verschärft werden, aber leider fällt der Wiener Politik noch immer nichts Sinnvolles ein. Dass die Rasselisten Unfug sind, wusste schon vor ihrer Einführung jeder, der sich in der Materie nur ein wenig auskennt. Jetzt wird das Unsinnige und Wirkungslose noch weiter ausgebaut. Obwohl 80% der Unfälle im häuslichen Bereich passieren, werden Besitzer von Listenhunden durch die generelle Leinen- und Beißkorbpflicht im öffentlichen Raum noch mehr an einer artgerechten Haltung ihrer Hunde gehindert, und durch zusätzliche, alle 2 Jahre zu absolvierende Hundeführkurse zur Kasse gebeten.

Wie aus den oben genannten Unfällen zu erkennen ist, kann jeder Hund, egal welche Rasse oder Mischling, in verschiedenen Situationen zubeißen und dabei großen Schaden anrichten. Gründe dafür können Fehlprägung als Welpe, mangelnde Sozialisierung, sowie die Missachtung von Warnsignalen des Hundes, die nicht, oder zu spät erkannt werden, und schlechte Erziehung sein. Kurse für Personen, bevor sie einen Hund anschaffen, Hundeführschein für ALLE Hundebesitzer und Präventionskurse im Umgang mit Hunden in Kindergärten und Schulen, wären sicherlich zielführendere Maßnahmen.

Es passieren weit mehr Unfälle mit Hunden, die nicht auf der Rasseliste stehen, natürlich werden diese in den Medien nicht so breitgetreten. Das betrifft ja keinen "Kampfhund", und die Schlagzeile "Dackel beißt Kleinkind" steigert keine Auflage oder Einschaltquote.

Warum also nur Verschärfungen für Listenhunde? Auf welcher Grundlage wurden diese Hunderassen gelistet? Von der Wissenschaft wird diese Theorie einer unterschiedlichen Gefährlichkeit von Hunderassen längstens, und zwar weltweit, völlig ad absurdum geführt. Es handelt sich immer um ein einzelnes Individuum, welches als gefährlich eingestuft werden kann. Nach Beissstatistiken? Kann auch nicht sein. Die sagen ganz etwas anderes aus.

Rasselisten führen dazu, dass alle nicht genannten Rassen in der Bevölkerung als gänzlich ungefährlich wahrgenommen werden, und dies birgt besondere Gefahren, vor allem für Kinder.

Die Landesregierung in Tirol hat erkannt, dass eine Rasseliste ungeeignet ist, Unfälle mit Hunden zu reduzieren und hat diese 2009 wegen Unwirksamkeit abgeschafft. In Schleswig-Holstein wurde die Rasseliste mit 1.1.2016 ebenfalls wieder abgeschafft, und der Landtag von Thüringen hat in seiner Sitzung am 12.1.2018 beschlossen, die Rasseliste ersatzlos zu streichen.

Die Meinung von wirklichen Experten aus dem Österr. Kynologenverband, oder von Österreichs renomiertester Veterinärgenetikerin, Frau Prof. Sommerfeld-Stur, wollen Sie nicht hören. Das Wissen und die Erfahrung der über Jahrzehnte bestehenden, rassebetreuenden Clubs, und dem jeweiligen Ursprungsland der betroffenen Rassen ist offensichtlich auch nicht von Interesse. Sie wollen um jeden Preis Ihre Kampfhundelüge aufrechterhalten, um vielleicht ein paar Wählerstimmen zu gewinnen. Dafür behandeln Sie überwiegend gleiche, unbescholtene Bürger (HalterInnen nicht auffällig gewordener Hunde) durch eine Rasseliste im Gesetz erschreckend automatisch ungleich.

Besonders interessant wäre zu wissen, mit welcher Begründung die Rasse "Staffordshire Bullterrier" eigentlich auf dieser Liste zu finden ist?

Mittelgroß, Schulterhöhe: 35,6 - 40,6 cm, Gewicht: 10,9 - 17,2 kg!! Vergleichbar mit der Beagle oder Cockerspaniel.

Denken Sie, dass in Großbritannien, dem Heimatland der Rasse, über 100.000 Staffies in Familien gehalten würden, wären Hunde dieser Rasse nur annähernd gefährlicher als Hunde anderer Rassen oder Mischlinge? Dort werden sie liebevoll als "Nanny Dog" bezeichnet. Warum wohl? Wegen ihrer extremen Menschen- und Kinderfreundlichkeit!!! Genau wegen dieser Wesensmerkmale ist diese Rasse so beliebt. In Österreich (auch in Wien) werden Staffies von überwiegend kynologisch bestens gebildeten, seriösen Personen gehalten und gezüchtet. Der Staffordshire Bullterrier wird, genau wie andere Listenhunde, als Rettungs-, Therapie-, Behinderten- und Lawinenhund ausgebildet, und ist bestens dafür geeignet.

Jetzt wollen Sie ein Zuchtverbot für alle diese liebenswerten Kampfschmuser? Sie wollen allen Ernstes allen Züchtern der gelisteten Rassen, die eine seriöse Hundezucht unter strengen Auflagen, wie Wesenstests, Gesundheitstests, etc., betreiben, verbieten, in Wien ihrem Hobby nachzugehen? Diese Zuchtstätten sind behördlich gemeldet, und wurden vom Amtstierarzt kontrolliert und genehmigt, jeder Wurf wird vom Zuchtwart begutachtet. Ihnen ist offensichtlich in Wien eine Vermehrung von Hunden in Hinterhöfen lieber, als eine kontrollierte, transparente Liebhaberzucht.

Wir möchten an Sie appelieren, diese geplante Novellierung des Wiener Tierhaltegesetzes nochmals zu überdenken. Es sollte doch ein sinnvolles Gesetz sein, dass Unfälle möglichst verhindern kann, nicht eine Abstrafung von Tausenden verantwortungsvollen Hundeliebhabern, wegen eines Fehlverhaltens einer alkoholisierten Hundehalterin.

Wir sind sehr gerne bereit, Ihnen jede gewünschte Auskunft (auch Gutachten) über unsere Rasse "Staffordshire Bullterrier" zukommen zu lassen.

Wir sind überzeugt, dass auch alle anderen Clubs der betroffenen Rassen sehr gerne bereit sind, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Für eine gute Zusammenarbeit sind wir jederzeit bereit.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Österreichischen Staffordshire Bullterrier Club